Eigenhaartransplantation in der dermatologischen Praxis
Die ästhetische Akzeptanz der autologen Eigenhaarfollikeltransplantation ist sicherlich der Mikrochirurgie zu verdanken. Hinsichtlich der Diagnostik und Therapie von Alopecien ist der Dermatologe einer der besten Ansprechpartner auf diesem Gebiet. Die Indikation für die Haartransplantation stellt die irreversible Alopecie dar. Dabei im Vordergrund stehen die Alopecia androgenetica des Mannes und der Frau (Bild 1) sowie vernarbende Alopecien, sowie Zustände nach Narben durch plastische Eingriffe im behaarten Kopfbereich.
Bild 1: Alopecia androgenetica
Hat ein Patient den Wunsch der Haartransplantation sollte im Vorfeld eine ausführliche Beratung erfolgen. Dazu gehören die Aufklärung über die Details des operativen Eingriffs, alle Risiken und die alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Anschließend wird über die Anzahl der Transplantate gesprochen und wie diese in den Empfängerbereich gesetzt werden.
Bild 2: OP Vorbereitung
Am Tag der Transplantation sollte der Patient möglichst bei gutem Allgemeinzustand, ausgeruht in der Praxis erscheinen. Zuerst wird im Bereich der Donorregion das berechnete Areal der Haare auf eine Länge von 2-3 mm rasiert. Danach erhält der Patient 1Ampulle Dormicum i.m. Nun beginnt der operative Eingriff unter Lokalanästhesie z.B. Xylonest 0,5% occipital im Bereich der Spenderregion. Gerne wird Gelafundin zur Verbesserung des Hautturgors mit Insulinkanülen infiltriert. Nun erfolgt die Entnahme des Hautstreifens bis zum Fettgewebe um die Haarwurzeln nicht zu zerstören. Der Wundverschluss erfolgt mit einer Einzelknopfnaht mit anschließendem sterilem Wundverband. Jetzt kann die Aufbereitung der Transplantate erfolgen. Es werden unter Lupenbrille Mini- und Mikrografts gefertigt (Bild 3), das heißt 3-5 Follikel oder aber 1-2 Haarwurzeln in einem Transplantat. Diese werden in sterile Petrischalen, mit Kochsalz gefüllt, gegeben. Der nächste Schritt, das Einsetzen der Transplantate, kann nun erfolgen.
Bild 3: Mikrografts
Der Empfängerbereich wird wiederum mit einem Lokalanaestheticum infiltriert sowie eine Hämostase in dieser Region mit z.B. Suprarenin 1:1000 verdünnt, injiziert. Danach werden Slits gesetzt, die ca. 3 mm Länge und etwa 3 mm tief gesetzt werden. Wenn dieses erfolgt ist werden die Mini- und Mikrografts möglichst atraumatisch mit einer Kanüle eingepflanzt. Der Vorteil der Slittechnik ist u.A. wenig Hautverlust und Selbsttamponade der Haartransplantate. Somit ist kein Einsatz von Klebern notwendig. Der letzte Schritt besteht in dem zarten Abwaschen des Transplantationsareals und der sterile Wundverband. Mit der Entlassung des Patienten erhält der Patient ein Schmerzmedikament gegen den eventuell auftretenden Wundschmerz mit nach Hause. Ab dem 2. Tag kann die Kopfhaut und das Haar schonend täglich mit einem Haarwaschmittel gewaschen werden. Nach 1 Woche werden die Fäden in der Donorregion entfernt. Kommt es zu einem komplikationslosem Wundheilungsverlauf erfolgen die Nachkontrollen nach 6 Wochen, 3 und 6 Monaten.
Wichtig erscheint dem Patienten unbedingt mitzuteilen, dass das transplantierte Haar nach dem operativem Eingriff ausfallen kann dann aber wieder nachwächst. Bei ordnungsgemäßer Technik heilen die Transplantate ohne jegliche Narbe an. Im Bereich der Donorregion wird eine 1-2 mm breite Narbe bleiben, welche aber durch das darrüberliegende Haar nicht sichtbar ist. 95 - 99% der transplantierten Haare wachsen in der Regel an, so dass mit einem guten kosmetischen Ergebnis zu rechnen ist.
Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.
Dieser Vortrag wurde anlässlich des 6.Unternehmerseminars des AADI in Darmstadt mit klinischen Bildern einer Haartransplantation gehalten.